Millions Can Walk. Jan Satyagraha – der Marsch für Gerechtigkeit: Filmvorführung mit anschließender Diskussion

Millions Can Walk. Jan Satyagraha – the March for Justice: Film Presentation and Discussion

31.10.

Jan Satyagraha bedeutet „Marsch für Gerechtigkeit“.
Der Dokumentarfilm beschreibt den gewaltlosen Einsatz für Gerechtigkeit. Aus ganz Indien versammelten sich Adivasi, um aus allen Richtungen den Weg nach Delhi einzuschlagen und für ihre Rechte zu demonstrieren. Sie richten sich gegen Landraub und Umweltzerstörung. Jai Jagat heißt die neue soziale Bewegung, die von Delhi aus am 2. Oktober gestartet ist. 10.000 km Fußweg zur UNO in Genf liegen vor den Demonstranten, die 370 Tage später ankommen werden. Im Anschluss an die Filmvorführung findet eine Diskussion mit Fachleuten statt.

Jan Satyagraha means “march for justice”. The documentary film describes the peaceful fight for justice. Adivasi from all over India were moving to Delhi, to demonstrate for their rights against land grapping. Jai Jagat is the name of the new social movement. The longest march for justice, that ever had been gone, started on 2nd of October 2018. 10,000 km from Delhi to the UNO in Geneva within 370 days.

The presentation will be followed by a discussion with experts.

Details

Veranstalter:

Mandelzweig-Projekthilfe e. V.


Ort:

Zeise Kino Friedensallee 7 – 9 22765 Hamburg


Datum:

31.10.

20:00 Uhr

Kosten:

€ 9,00 € 8,00 (ermäßigt)

von Laura Ulrich

Am 31.10.2019 fand im Rahmen der India Week 2019 eine Filmvorführung im Zeise Kino statt: „Millions Can Walk. Jan Satyagraha – der Marsch für Gerechtigkeit.“.
Der Dokumentarfilm zeigt, wie über 100.000 Inderinnen und Inder gewaltlos für ihre Rechte kämpften.

Hunderttausend Inderinnen und Inder kamen im Oktober 2012 in Gwalior zusammen. Gemeinsam starteten sie einen Fußmarsch, der von Gwalior bis in die rund 400 Kilometer entfernte Stadt Delhi führte. Sie nennen den Marsch auch „Jan Satyagraha“. Auf diesem Weg versuchte sich die hauptsächlich ärmere Bevölkerung Indiens ein Gehör zu verschaffen – denn sie hatten eine Forderung: „Wasser. Land. Wald.“ Die meisten Teilnehmer des langen Marsches sind landlose Bauern, Personen aus der Kaste der „Unberührbaren“ oder indische Ureinwohner, die sich selbst „Adivasi“ (dt.: „der erste Mensch“) nennen.

Seit Jahrzehnten werden besonders die Adivasi aus ihrem Lebensraum zurückgedrängt. Normalerweise leben sie in der Nähe von Wäldern, wo sie ihr eigenes Land bebauen und Viehhaltung betreiben.
Doch aufgrund des starken Wirtschaftswachstums in Indien, siedelte sich immer mehr Industrie an. Großbauprojekte – wie zum Beispiel Staudämme – oder die industrielle Erschließung von Rohstoffen im Gebiet der Adivasi, zwang sie dazu, umzusiedeln.

In Rourkela wurde ab 1958 ein riesiges Stahlwerk in Betrieb genommen, welches inmitten eines Urwaldes gebaut wurde. Flächenmäßig ist dieser Industriegürtel so groß wie Deutschland. Etwa 16.000 Adivasi wurden durch dieses Projekt vertrieben und mussten sich neues Land suchen. Im Film sieht man, wie vertriebene Adivasi neben großen Müllhalden leben, da sie anderswo nicht erwünscht sind.

Schon ein Jahr bevor der Fußmarsch begann, machten sich Aktivisten der Organisation „Ekta Parishad“ auf den Weg, um Leute für den Jan Satyagraha zu mobilisieren und Hilfe zu bekommen. Entlang der Strecke von Gwalior bis nach Delhi organisierten sie für die Nachtlager Sanitäranlagen, Nahrung und medizinische Versorgung. Außerdem waren ca. 2000 Organisationen involviert, die ebenfalls ihre Unterstützung bereitstellten.

Der Fußmarsch selbst war für die hunderttausend Inderinnen und Inder eine große Herausforderung. Sie wurden in 75 kleinere Gruppen geteilt, um einen besseren Überblick zu behalten. Um ihnen beizustehen, kamen Menschen aus umliegenden Dörfern herbei, um den Reisenden Wasser zu schöpfen und Geschenke zu bringen.

Nach tagelangem Wandern sind die Protestierenden in Agra angekommen. Auch der Minister für ländliche Entwicklung, Jairam Ramesh, war an diesem Tag vor Ort,

um die Forderung des Jan Satyagraha zu unterzeichnen.
Es wurden neue Gesetzte verabschiedet, die die Regierung in der Zukunft einhalten will.
Diese Gesetzte sollen die Grundrechte der landlosen Bauern und der Adivasi schützen und ihnen Bau- und Agrarland zusichern.

Etwa sechs Monate nach dem Ende des Jan Satyagraha wurden ungefähr 70% der Vereinbarungen durch die Regierung verabschiedet.

Doch die indische Bevölkerung hat keine Zeit zum Ausruhen – der Druck auf die Regierung muss beständig bleiben, damit Forderungen und Wünsche verwirklicht werden können.
Ein weiterer Fußmarsch ist nämlich schon geplant.

Millions Can Walk. Jan Satyagraha – der Marsch für Gerechtigkeit: Filmvorführung mit anschließender Diskussion

Millions Can Walk. Jan Satyagraha – the March for Justice: Film Presentation and Discussion

31.10.

von Laura Ulrich

Am 31.10.2019 fand im Rahmen der India Week 2019 eine Filmvorführung im Zeise Kino statt: „Millions Can Walk. Jan Satyagraha – der Marsch für Gerechtigkeit.“.
Der Dokumentarfilm zeigt, wie über 100.000 Inderinnen und Inder gewaltlos für ihre Rechte kämpften.

Hunderttausend Inderinnen und Inder kamen im Oktober 2012 in Gwalior zusammen. Gemeinsam starteten sie einen Fußmarsch, der von Gwalior bis in die rund 400 Kilometer entfernte Stadt Delhi führte. Sie nennen den Marsch auch „Jan Satyagraha“. Auf diesem Weg versuchte sich die hauptsächlich ärmere Bevölkerung Indiens ein Gehör zu verschaffen – denn sie hatten eine Forderung: „Wasser. Land. Wald.“ Die meisten Teilnehmer des langen Marsches sind landlose Bauern, Personen aus der Kaste der „Unberührbaren“ oder indische Ureinwohner, die sich selbst „Adivasi“ (dt.: „der erste Mensch“) nennen.

Seit Jahrzehnten werden besonders die Adivasi aus ihrem Lebensraum zurückgedrängt. Normalerweise leben sie in der Nähe von Wäldern, wo sie ihr eigenes Land bebauen und Viehhaltung betreiben.
Doch aufgrund des starken Wirtschaftswachstums in Indien, siedelte sich immer mehr Industrie an. Großbauprojekte – wie zum Beispiel Staudämme – oder die industrielle Erschließung von Rohstoffen im Gebiet der Adivasi, zwang sie dazu, umzusiedeln.

In Rourkela wurde ab 1958 ein riesiges Stahlwerk in Betrieb genommen, welches inmitten eines Urwaldes gebaut wurde. Flächenmäßig ist dieser Industriegürtel so groß wie Deutschland. Etwa 16.000 Adivasi wurden durch dieses Projekt vertrieben und mussten sich neues Land suchen. Im Film sieht man, wie vertriebene Adivasi neben großen Müllhalden leben, da sie anderswo nicht erwünscht sind.

Schon ein Jahr bevor der Fußmarsch begann, machten sich Aktivisten der Organisation „Ekta Parishad“ auf den Weg, um Leute für den Jan Satyagraha zu mobilisieren und Hilfe zu bekommen. Entlang der Strecke von Gwalior bis nach Delhi organisierten sie für die Nachtlager Sanitäranlagen, Nahrung und medizinische Versorgung. Außerdem waren ca. 2000 Organisationen involviert, die ebenfalls ihre Unterstützung bereitstellten.

Der Fußmarsch selbst war für die hunderttausend Inderinnen und Inder eine große Herausforderung. Sie wurden in 75 kleinere Gruppen geteilt, um einen besseren Überblick zu behalten. Um ihnen beizustehen, kamen Menschen aus umliegenden Dörfern herbei, um den Reisenden Wasser zu schöpfen und Geschenke zu bringen.

Nach tagelangem Wandern sind die Protestierenden in Agra angekommen. Auch der Minister für ländliche Entwicklung, Jairam Ramesh, war an diesem Tag vor Ort,

um die Forderung des Jan Satyagraha zu unterzeichnen.
Es wurden neue Gesetzte verabschiedet, die die Regierung in der Zukunft einhalten will.
Diese Gesetzte sollen die Grundrechte der landlosen Bauern und der Adivasi schützen und ihnen Bau- und Agrarland zusichern.

Etwa sechs Monate nach dem Ende des Jan Satyagraha wurden ungefähr 70% der Vereinbarungen durch die Regierung verabschiedet.

Doch die indische Bevölkerung hat keine Zeit zum Ausruhen – der Druck auf die Regierung muss beständig bleiben, damit Forderungen und Wünsche verwirklicht werden können.
Ein weiterer Fußmarsch ist nämlich schon geplant.